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Zwischen den Tagen
Wir haben heute den Sonntag nach Weihnachten – es regnet etwas aber das Tropfen auf meine schrägen Fenster gibt mir ein gemütliches und wohliges Gefühl.
Die Weihnachtstage sind nun vorbei – alles in allem eine gute Zeit für mich und meine Familie und Freunde.
Angefangen hatte die Woche mit viel Unruhe vor dem Fest. Montag war ich noch bei Rossmann um meinen Kerzenbestand aufzustocken.Denn bei mir gibt es immer noch die echten Kerzen am Baum, den ich dann auch am Montag hier um die Ecke erstanden hatte. Ein schönes Stück – und wie er erst mal schön wurde als er dann später geschmückt wurde. Also ich kaufte Baumkerzen und dicke weisse Kerzen, immer rein in den Korb, als wenn es der letzte Einkaufstag gewesen wäre. Und die Schlange bestimmte den Tag – mehr als ein Dutzende Kaufwillige vor dem Geschäft, an der Kasse dann ein Rückstau in entsprechender Anzahl. Und ich war gut vorbereitet. Da ich eine App. von Rossmann auf dem Handy hatte, und ich meine 10 Prozent Rabatt auch aktiviert auf dem Bildschirm sah, konnte ich mal wieder “sparen”. Und das muss ich der Firma lassen, noch nicht zu Hause ankommen hatte ich den ersparten Betrag auf meinem Bildschirm ausgewiesen.
Als ich dann meine in Oberkassel inzwischen bekannte grosse und bunte Einkaufstasche – gekauft aus recyceltem Material auf einem Markt in Kambodscha letztes Jahr – hochhob, na, Donnerwetter, was Kerzen so wiegen. Also rein in die Straßenbahn wenn auch nur für eine Station, aber da war ich dann schon vor der Haustüre. Finanziert hatte ich die Bahnfahrt, sonst laufe ich ja immer, mit einem Fahrschein, den ich vor einiger Zeit auf der Straße, noch gültig, gefunden hatte. Was ein Glück. Kaum war die Tür der Bahn zu kam die Kontrolle. Und ich hatte einen gültigen Fahrausweis. 🙂
Glaubt Ihr es wäre der letzte Einkauf gewesen? Nein, denn meine Tochter zog noch vor Weihnachten in die wunderschöne kleine Wohnung hier bei mir ins Haus, mit Terrasse und Garten und Eichhörnchen.
Also am Tag nach dem Kerzenkauf ging es noch einmal nach Rossmann. Aber Verena gab zu Bedenken, dass sie doch noch einige viele Dinge für die Wohnung zur Grundausstattung an Putzmittel benötige. Und es würde sicher auch wieder etwas mehr werden. Da müssten wir doch etwas Fahrbares haben. Und ich hatte es. Von meinem Freund Robert in Köln hatte ich schon vor langer Zeit einen Shopper auf Rollen bekommen der unbenutzt bei mir in der Vorratskammer stand. Warum unbenutzt? Er ist auffallend rot und ich wollte als Mann nicht mit solch einem roten auffallendem Rolli über die Straße ziehen. Das war das Ende seines Aufenthaltes im Ruhestand. Verena schnappte ihn sich, war so froh so ein Ding für den Transport zu haben. Und wir zogen los, ich mit meiner grossen Tasche und Verena rollte. Was sich dann später herausstellte, auch in Zukunft werde ich den Shopper benutzen, vor allem wenn Wein auf der Einkaufsliste steht.
Und Verena zog aus ihrer möbelierten Wohnung, die sie seit August bewohnte, jetzt in Oberkassel ein. Sie wunderte sich wie viele Dinge trotz Möbelierung sich in diesem halben Jahr bei ihr angesammelt hatten. –
Den Mittwoch vor Hl. Abend nutzen wir für die Vorbereitungen. Das Abendessen für den Hl. Abend hatten wir schon am Wochenanfang bei der Konditorei Heinemann, direkt ein paar Schritte von uns entfernt, bestellt. Was für ein Genuss. Die Einzelheiten will ich hier nicht aufführen sonst läuft mir das Wasser im Mund zusammen .
Donnerstag, also am Tag mit dem Hl. Abend, wurde alles für einen schönen Abend vorbereitet. Die geschleppten Kerzen fanden ihren Platz, das Kaminholz sollte ausreichen, der Baum war geschmückt. Alles was nach Kunststoff aussah, war verbannt. Nur rote Kerzen, echte wie gesagt, rote Kugeln , kein Silber oder Gold, blieb in der Kiste. Und dann gegen 17 Uhr kamen Ulla und Verena zu mir zum Weihnachtskaffee. Gemütlich mit Kerzen und lecker Plätzchen. Dabei fällt mir ein – Plätzchen und Schokolade in verschiedenen Ausführungen lagen immer wieder an diesem Tag vor meiner Wohnungstüre. Teilweise anonym und teilweise mit den guten Wünschen meiner Mieter im Hause. Was habe ich mich darüber gefreut. Wir haben eine tolle Hausgemeinschaft. Und das bemerkt man ja gerade jetzt in diesen Tagen. Kein Stress im Haus, liebe freundliche Worte wenn man sich begegnet. Und der Aufzug machte wieder Zicken. Die Aufzugsfirma kam noch am 23. um den Schaden zu beheben, am 24. hatte ich schon die dicke Rechnung auf dem Gabentisch und am 26. hatte die Firma schon ihr Geld auf dem Überweisungswege.
Auch beim Weihnachtskaffee ändern sich ein wenig die Sitten. Früher liefen dann die CDs oder die Platten, und als ich mich daran erinnerte kam mir der Gedanke auch so etwas aufzulegen. Das machte ich dann nach dem Kaffeetrinken als die Bescherung stattfand. Den Renner ,den ich erhielt war eine riesige grosse Wolldecke von Manufaktum damit ich , so wie meine Tochter sagte, nicht vor dem Fernsehen frieren sollte. Und sie ist so gross dass wir sie sogar von Sessel zu Sessel nutzen können.
Schon sofort im Einsatz als wir dann im Ersten den Film über Beethoven zusammen sahen. Und ich sah den Marktplatz in Bonn, den Platz in der Uni, ich bin ja in Bonn geboren und dort in der heutigen Post, vor der Beethoven steht, bin ich in der ersten Zeit nach der Einschulung zur Schule gegangen.
Zuvor, am Hl. Abend, hatten wir dann herrlich gegessen, ich saß nach dem Essen wie ein Pascha da und Ulla und Verena brachten die Küche in Ordnung. Das war natürlich mal ein gutes Gefühl am nächsten Morgen nicht vor dem Berg Spül zu stehen.
Gegen 22 Uhr wurde ich dann etwas müde. Wir tagten ja schon seit Stunden. Also startete ich dezent den Aufbruch meiner Gäste die das dankbar annahmen. Für Ulla bestellte ich eine Taxe und Verena konnte im Haus selbst die Stellung wechseln. Was war das ein schöner Abend.
Und er war noch nicht zu Ende. Ich kuschelte mich unter der tollen warmen Decke, wie gesagt etwas müde, machte den Fernseher an und kam in die Endmomente von Carmen Nebel, die ich recht gern sehe deren Zeit aber demnächst auch abgelaufen ist. Sie wird noch eine Abschiedssendung haben und das war es dann für sie und für uns.
Sehen oder besser hören wollte ich zum Abschluss des Abends noch Jonas Kaufmann, den Startenor, der in der Kirche St. Nikolaus in
Oberndorf Weihnachtsklassiker sang. Dort soll auch vor langer Zeit das “Stille Nacht” zur Welt gekommen sein. Als dieser Künstler dann dieses Lied in der Umgebung sang liefen mir die Tränen über die Wangen. Wie schön dieser Abend ausklingen sollte.
Anders als gedacht war es aber noch nicht das Ende dieses so schönen Hl. Abend. Während ich dem Kaufmann zuhörte kam auf dem Handy eine Nachricht auf mich zu. Der Name auf dem Handy lenkte mich in eine falsche Richtung. Da gab es jemand mit dem Vornamen, der Neffe von Michael, meinen verstorbenen Lebensfreund, der am 24. Geburtstag hatte. Aber mit der Familie hatte ich seit dem Tod von Michael keinen Kontakt mehr. Während Kaufmann sang liess ich das Handy ungeöffnet. Nach Abschluss des Konzertes zögerte ich aufzumachen um mir den Abend nicht zu beschädigen.
Aber ich machte auf. Und dann erstarrte ich – der Mann mit diesem Namen, mit dem ich zu meiner Berliner Zeit mehr als zwei Jahre befreundet war, der mich in Meerbusch besuchte, mit dem ich auf Ibiza war, dieser Mann war in der Leitung und………sang mir ein wunderschönes Lied, kein Weihnachtslied sondern aus der Erinnerung ein klassisches Liebeslied anstelle einer möglichen anderen Weihnachtsgratulation vor. Mein Gott was war ich überrascht und gerührt. Damit hatte ich niemals gerechnet und so stellen sich Freunde nach mehr als einem Jahrzehnt wieder vor.
Der Freund lebt mit seiner Tochter in Breslau, wir hatten den letzten Kontakt in 2019 als ich ihm von meiner Chinareise einen kurzen Bericht über mobil mit Fotos gab.
Und da ich jetzt gerade bei den guten Wünschen bin – ich habe mal überschlagen – wie viele Wünsche ich bekommen habe kann ich gar nicht sagen. Ich habe über WhatsUp versucht mich bei den Freunden zu melden.
Aber die aussergewöhnlichen Wünsche zu meinem täglichen Leben kamen, fangen wir an, aus Amsterdam, aus London, aus Breslau, aus Istanbul, aus Sri Lanka, aus Südafrika, aus Bangkok , aus Ungarn , aus Ibiza, mit solchen Wünschen hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Aber was tut das gut gerade in der Zeit wo ich so sehr meine Freundin Hanne vermisse. Mit Hubert, ihrem Mann , stehe ich in Verbingung und bin so stolz wie er und seine Familie diesen Verlust zu verarbeiten versuchen. Das hilft auch mir. Sehr.
Ja, und dann sind wir fast mit den Weihnachtstagen ans Ende gekommen. Also gestern, am 2. Feiertag, kam Ulla schwer bepackt um mich mit der polnischen Küche zu verwöhnen. Ich aß davon zu Abend, heute Mittag weiter, aber bitte nicht verraten, die Küche von Heinemann mit Reh und Sauerbraten sehr lecker, die Rote Bete Suppe und die Teigtaschen usw. haben mir geschmeckt, aber nee, ich ziehe doch die Ochsenschwanzsuppe von Heinemann der Rote Bete Suppe vor – sorry liebe Ulla.
Und damit bin ich dann heute, am dritten freien Tag hintereinander angekommen. Noch einmal heute Abend die Kerzen an, der Baum bleibt noch mit den Kerzen aber die Adventskränze – ich hatte zwei davon – und die vielen anderen Kerzen werden mal etwas aussortiert.
Ich werde wieder lesen, noch etwas den Kamin anmachen, wahrscheinlich kommt Verena auf einen Abstecher bei mir vorbei. Sie ist so glücklich in ihrer neuen Umgebung. Wie gesagt , das Glück nimmt immer einen Umweg. Alles sollte so sein und ich wünsche Marie Claire und ihrem Freund Brien, die jetzt in einer grossen Wohnung auch in Oberkassel wohnen, ganz viel Glück. So findet man, wenn man noch so alt ist, immer wieder Menschen mit denen eine Freundschaft sich aufzubauen lohnt. Und das haben wir geschafft.
Und denkt gerade jetzt daran zum Jahreswechsel – wie die englische Schriftstellerin Jane Austen schon vor langer langer Zeit sagte
” Lasst uns den Luxus der Stille haben ” – und das wünsche ich uns alle nach diesem ungewöhnlichen Jahr. Bleibt gesund.
Manfred




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