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Alles hat seinen Sinn…
Meinen Freunden hier wünsche ich alles Gute zu den bevorstehenden Weihnachtstagen.
Komme gerade aus der Nachbarschaft und habe einen schönen nicht so großen Weihnachtsbaum fürs Fest eingekauft. Er steht jetzt auf der Terrasse in Wind und Wetter und ich hoffe dass die Eichhörnchen ihn nicht liebevoll beknabbern wenn sie morgens in aller Frühe ihre Nüsse einsammeln.
Wo fange ich an mit dieser wieder so vollen Woche?
Der Tod meiner Freundin Hanne hat mich noch einmal voll in Trauer versetzt. Der Donnerstagabend, an dem wir noch so am Telefon gelacht haben, war mir zeitlich so sehr bewusst, und am Freitagmorgen, als ich vor der geschlossenen Türe bei der Post wartete und mir Hubertus auf WhatsUp die Nachricht vom Tod seiner Frau mitteilte, habe ich eine Woche später noch einmal durchgestanden. Aber ich hoffe jetzt einen Schritt weiter zu sein. Denn ich wagte nicht die Familie zu stören aber gestern hat mich Hubertus angerufen und mich informiert. Alles ist den Umständen nach gut – mehr möchte ich hier nicht dazu schreiben. –
Die Woche fing wieder an mit einem Besuch bei meiner neuen Ärztin, die nun endlich den Bericht des Krankenhauses zum CT bekommen hatte. Und die Werte sind ok – aber – die Gute mahnte mich wieder meinem Alter ensprechend langsamer zu machen. Das ist leichter gesagt als getan, denn , schon am Tag darauf hatte sich Vodafone für 8 Uhr angemeldet um die Fernsehanlage auf Internet umzustellen. Und das hat eine ganze Weile gedauert wobei sie nicht um 8 Uhr kamen sondern erst gegen 10 Uhr und dann bis 13 Uhr im Haus waren. Aber, wir gehören jetzt wie man heute sagt, zum Mainstream. Vor allem meine Tochter ist total in ” The crown” verliebt, das wir jetzt natürlich sehen können. Kopfschütteln bei unseren Freunden vorher ” habt ihr nicht, kann doch nicht sein.” Doch Ihr Lieben , haben wir jetzt auch obwohl ich noch keine Folge gesehen
habe. –
Und dann kam ein weiterer Einstieg bei eBay. Da ist meine Tochter so etwas von geschickt dass wir da viel Erfahrungen sammeln und gesammelt haben. Zum Beispiel “Röhrender Hirsch” der an meinen Freund Dieter verkauft wurde. Von dem Maler wussten wir nichts, wir hatten nur die Signatur. Und damit konnten wir unter Google die ganze Familiengeschichte herausfinden. Die Malerin war Eva Engelmann, geboren 1883 in Oberschlesien, studierte Künstlerin, Tochter von dem Vater Engelmann, der auch als Maler gearbeitet hatte.
Eva Engelmann hat nach dem Studium in Breslau gelehrt und gearbeitet, musste im Krieg in den Westen flüchten und hier verliert sich ihre Spur. Ein Schicksal von vielen Menschen damals die hier im Westen nicht gern empfangen wurden. Daran kann ich mich selbst noch erinnern wenn diese Kommentare fielen.
Und über eBay kommen neue Menschen auf Deine Bühne, nette Leute die sich freuen ein Schnäppchen gemacht zu haben aber auch in einem Fall ein wirklich widerlicher Kommentar. Ich hatte für Euro 25,– zwei Gläser mit russischem Wappen ins eBay gestellt. Die Gläser hatte ich selbst vor Jahren in Moskau gekauft. Und was bekomme ich da für eine Nachricht ? Sie sind ein Betrüger, solche Gläser gibt es überhaupt nicht. Man müsste Sie anzeigen. Ich war total geschockt. Leider habe ich die Stellungnahme sofort gelöscht. Wenn ich sie noch einmal finden sollte gebe ich sie im Wortlaut wieder.
Aber jetzt in der Vorweihnachtszeit habe ich für eBay keine Zeit mehr.
So haben wir uns entschlossen unser Essen zum Hl. Abend zu bestellen. Verena, Ulla und ich werden uns nach diesem verrückten und anstrengenden Tag einen schönen Abend mit Baum und echten Kerzen machen. Meine allein lebenden Freunde Andrea und auch Peter haben keine Zusage wegen Corona gemacht – sie sind wie ich in der Gruppe der viel diskutierten Alten, da nehme ich nicht daran teil weil ich mich auch überhaupt nicht so fühle. Mein gefährderter Weg führt durch Aldi oder Rewe und da kaufe ich so ein dass ich nicht jeden Tag dort auftauche.
Und wir haben zugelangt. Es gibt von der brummenden Konditorei, die auch normalerweise Essen serviert , zum Heiligen Abend für uns
2x Sauerbraten und 2x Rehbraten mit Vor- und Nachspeise. Dieses Kochen für ausserhalb ist in diesem Jahr besonders beworben. Davon zeugen die Inserate die jetzt fast täglich in der Tageszeitung erscheinen.
Und noch einmal auf die Geschehnisse um eBay zurückzukommen. Habe einen wichtigen aber auch erfreulichen Punkt vergessen:
Aus einer Haushaltsauflösung in Köln vor einigen Jahren hatte ich noch einen Glaspokal in meinem Gläserschrank, der übrigens noch voll ist, und dehalb wollte ich diesen Pokal auch auf eBay einstellen. Er ist ihn mit einer Widmung versehen, die ein “Alter Herr” seinem Fuchs zu einem gut bestandenen Examen im Jahre 1928 gewidmet und geschenkt hatte.
Die positive Reaktion auf dieses Inserat war überraschend. An dem ersten Abend schon sechs Anfragen. Eine Anfrage mit dem Hinweis”der Pokal muss bei uns in der Verbindung unbedingt bleiben. Ich bin auch bereit sofort mehr zu bezahlen”. Diese Nachfragen haben mich schon sehr überrascht und die Gründe bewegt. Man wollte die Erinnerung auf jeden Fall für die Verbindung retten.
Und dann kam eine freundliche Anfrage noch über WhatsUp. Offenbar ein aktiver Student mit Namen Christoph der höflich nachfragte ob er wohl eine Chance hätte. Und dieser höfliche Kontakt brachte die Verbindung zustande. Schon am nächsten Tag stand der junge Mann verabredungsgemäß hier vor unserer Haustüre, wirklich so angenehm in seinem Auftreten, dass ich ihn sogar in meine Wohnung ließ was ich sonst nie mache. Er kam aus Köln, dem Sitz der studentischen Verbindung, mit einem kleinen Karton unter dem Arm, aus dem er dann ganz vorsichtig zwei Handtücher auspackte um das kleine Schmuckstück Glas liebevoll einzupacken. Er hatte mir zwanzig Euro auf den Tisch gelegt und ich ” Moment ich hole das Restgeld”. Und mein Gedanke kam sofort – keine Flocken für das Glas. Ich ging zurück, drückte ihm die 20,– Euro in die Hand und sagte – Gruss an Ihre Mitstudenten, das ist mein Weihnachtsgeschenk an Ihre Verbindung . Er sah mich ungläubig an, bedankte sich ganz höflich und ging bzw. fuhr dann mit dieser Reliquie nach Köln zurück. Und ich fühlte mich so wohl Freude gemacht zu haben.
Nicht ganz so weit in die Vergangenheit bin ich gestern Abend im Fernsehen bei RBB gelandet. Hatte ich noch niemals gesehen obwohl ich die Sass so gern sehe. ” Good bye Lenin” – den Film von dem ich schon so viel gehört aber noch nicht gesehen hatte. Mein Gott, was bin ich in den zwei Stunden in die Vergangenheit abgetaucht. 1989 bin ich zum ersten Mal auf Bitten meiner Bank nach Brandenburg gegangen. Ich vergesse meine Ankunft in Potsdam niemals. Ich mit meinem BMW alt und grau – ich meine den Wagen. Ich fragte nach dem Büro der dortigen Girostelle, mir wurde der Weg beschrieben. Und die Kollegen aus der DDR empfingen mich so freundlich, mit belegten Brötchen und Kaffee mit Kaffeesatz in der Tasse. Was wurden das für aufregende Jahre – bis heute sind noch ein Teil meiner Freunde aus dieser Zeit in meinem Freundeskreis.
Über diese Zeit sollte ich mal eine längere Sache schreiben. Über die nächtlichen Autobahnfahrten ohne Beschilderungen zurück in mein Zimmer in WestBerlin. Dass ich dort ankam sah ich zuerst an der reichlichen Leuchtreklame bei den direkten Zufahrten.
Auf den Punkt gebracht meine beste Arbeitszeit in meinem Leben weil ich die Erfolge unmittelbar sehen konnte. Nicht überall gern gesehen mit Schmähtexten am Auto – aber das waren die die auch jetzt noch Hurra schreien und entsprechend wählen. Was haben meine Freunde und ich tolle Reisen gemacht. Und eigentlich immer nach kurzer Zeit total vertraut.
Also der Film gestern hatte mich wieder so erinnert – und ich habe mich gewehrt wieder zu sensibel zu reagieren . Alles hat seine Zeit.
Und jetzt mal zum Schluss die Feststellungen zum Sonntagabend.
Ich habe ja noch mit dem Gehörsturz zu tun, inzwischen einige Monate. Mein Ohrenarzt hatte mir nun ein Papier erarbeitet das ich bei der Krankenkasse einreichen sollte um die Zusage zu einer Therapie zu bekommen. Die Kasse wurde vom Ohrenarzt gebeten die Kosten zu übernehmen.
Ich hatte die Unterlage dann auf den Weg gebracht. Keine Antwort. Jetzt nach drei Wochen ein Merkblatt – ohne ein Anschreiben oder eine Unterschrift – diese Therapie wird nicht beführwortet da sie nicht im Prospekt der Barmer steht. Fragt mich nicht was ich monatlich seit Jahren an dieses Unternehmen zahle. Ich bin mit dem “Zettel” zum Ohrenarzt hin und habe das Papier vorgelegt. Was ist der wütend geworden und nimmt jetzt die Angelegenheit selbst in die Hand. Mal sehen was da passiert.
Und mit Marie, einer inzwischen guten Freundin , habe ich abends mal über diesen Tinnitus diskutiert. Ihr Argument ist “Du musst die Sache in Deinem Kopf klar regeln. Du kennst die Ursache des Stresses und baue ihn ab. Dann verliert dieses Gehörsturz auch an Macht.” Und damit habe ich jetzt begonnen. Ich kenne die Ursache und muss mich endgültig sachlich damit auseinandersetzen.
Und noch ein Hinweis. Keinen Rotwein mehr zum Abendessen. Dann kannst Du mit Sicherheit besser schlafen. Habe ich ausprobiert. Und das klappt super. Im Rotwein ist etwas was den Tiefenschlaf verkürzt. So also nur noch am Mittag etwas Wein und abends alkohlfreies Bier. Nicht so lecker aber was sein muss muss sein.
Es wird noch das ein oder andere Ding in der Woche passiert sein, aber ich freue mich jetzt auf eine letzte hoffentlich ruhige Woche vor dem Weihnachtsfest – meine Tochter ist nun nach langer Zeit wieder hier bei mir ins Haus eingezogen – wie das Leben oft so irre Wege geht. Aber alles hat wohl einen Sinn.
Liebevoll
Manfred




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