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kälteste April seit 1929
Einen guten ruhigen Sonntagmorgen in dem seit dem Jahr 1929 kältesten April in diesem Jahr.
Es liegt eine erst einmal unruhige und arbeitsreiche Woche hinter mir , aber dann, dann habe ich einfach mal auf den Schreibkram verzichtet und einige sehr schöne Stunden erlebt.-
Am Wochenanfang war ich mit meiner Tochter bei meiner neuen Steuerberaterin, wir kommen super miteinander aus – nicht nur, dass sie Anfang der 50 er ist, mit diesen Frauen kann ich gut arbeiten, nein sie ist auch noch Stier wie ich, was kann es da noch für weitere gute Arbeitsgrundlagen geben. Wir haben für die nächste Zukunft die Planung aufgestellt, ich fühle mich hier gut vertreten.
Abends kam auf meine Bitte hin Mohamed und hat mir geholfen Regale vom Speicher auf die Straße zu schleppen da Sperrmüll angesagt war und am nächsten Morgen war alles gut abgeholt worden.
Wir beide hatten bei der Gelegenheit den beginnenden Ramadan auf der Tagesordnung. Seine Familie legt dringend Wert darauf, dass Mohamed und seine Familie den Ramadan einhalten. Wie schon im letzten Jahr habe ich ihn gebeten, dass er auf dieses Enthalten verzichtet bei der so schweren körperlichen Arbeit die er täglich und jetzt auch samstags zu leisten hat. Seine Frau legt Wert auf den Ramadan für sich und das ist ihr unbenommen. Muslime ,die den Ramadan nicht einhalten müssen Geld an ihre Glaubensgruppe zahlen. Davon sollen dann Arme unterstützt werden. Dass ich bei dieser Vorstellung einen dicken Hals bekomme zeige ich später noch einmal an einem Beispiel auf.
Am Donnerstag hatten meine Tochter und ich einen letzten Termin bei dem Steuerberater der mehr als 30 Jahre für mich gearbeitet hat. Durch persönliche Umstände in der Familie und überstandene Krankheit gibt er jetzt sein Büro und damit auch seine Arbeit auf. Es war ein guter Abschied der etwas belastet wurde da wir einen vollen Rollwagen mit Akten und Schriftstücken mit nach Hause nehmen mussten die jetzt hier im Eingangsbereich stehen und auf eine Abarbeitung warten, gerade im Hinblick auf die nächste Nebenkostenabrechnung für die Zeit von 01.07. 2020 bis 30.06.2021 für mein Haus hier in Oberkassel. Aber da kann ich bis zum kommenden Wochenanfang gut dran vorbeigehen. –
Warum? Am Freitagmorgen habe ich meinen üblichen Internetabgleich gemacht und dann war ich es erst mal satt am Schreibtisch.
Ich entschloss mich nach langer Zeit diesen Tag als meinen Tag zu reservieren. Also los zur Straßenbahn. Leider fahre ich seit Wochen nicht mehr meinen Wagen der in der Garage darauf wartet an die Luft zu kommen.
Nein, ich wollte nach Neuss zu meinem Friseur und dann einen langen Spaziergang über die Haupteinkaufsstraße machen. So gegen 10.30 enterte ich die Bahn mit Maske und großer Einkaufstüte. Die Bahn war so gut wie leer.
Ich genoss die Fahrt so ohne Drängelei und kam super an der Endhaltestelle an. Nur ein paar hundert Meter, da ist mein Friseurladen – nur türkische Mitarbeiter – und da habe ich den Mann dem ich meinen Kopf anvertraue. Er war gerade zum Dienst erschienen und ich brauchte nicht lange zu warten.
Was eine andere Welt. So gut wie kaum einer spricht Deutsch, dafür ein Durcheinander in Türkisch, Und total viel Lachen und keine miese Mienen. Mit viel Aufmerksamkeit wurden mir die Haare geschnitten, und wie immer war der Preis – man kann es kaum glauben – für 8 Euro fest geblieben. Das dicke Trinkgeld verschwand dann auch blitzschnell in der Hosentasche meines Helfers.
Und dann machte ich in aller Ruhe den Spaziergang über die lange Einkaufsstraße. Mal bei Kodi rein, ein paar Dinge eingekauft, dann weiter in den nächsten Laden, immer günstig und in Ruhe und als ich dann den Rückweg antrat, es war ja zu Mittag, hatte ich plötzlich totale Lust auf Chinesisch. Und hielt an dem Restaurant das über das Fenster die Leckereien verkauft. Ich war richtig happy für so wenig Geld so leckeres Essen in der Tasche zu haben und mit nach Hause zu schleppen.
Zu Hause habe ich dann ausgepackt, die Kauknochen für Lumi, das Vogelfutter für meine Hausvögel draußen auf der Terrasse und den Fensterbänken und dann kam ich dran. Was hat mir das geschmeckt. Und als ich mich dann zur Mittagspause zurückzog wurde mir ganz klar bewusst – nicht nur die Arbeit ist wichtig immer noch in meinem Leben , nein so ein Tag wie in Neuss macht ganz klar wo ich mich eigentlich mehr hinbewegen soll.
Aber es gab da auch Forderungen zur Arbeit. Mein Drucker musste erneuert werden. Da ich bei Real den leckeren Wein VinaSol , den sie dort im Angebot hatten, einkaufen wollte haben wir bei dem Besuch die Technikabteilung besucht um uns nach einem neuen Drucker umzusehen. Der vorher bestätigte Besuch von Saturn in Düsseldorf vom gleichen Tag wurde uns am Nachmittag verwehrt da seit Mittag ein frisches Testergebnis beim Besuch des Hauses vorgelegt werden musste. Warum konnte man uns nicht nach dieser Entscheidung eine Nachricht zur App schicken.? Alle Geschäfte auf der Kö hatten plötzlich diesen Zusatz der ansonsten in Düsseldorf wie hier in Oberkassel nicht gefordert wurde.
Also Drucker bei Real gekauft und ab nach Hause mit vier Flaschen Wein und noch ein paar Leckerchen wie Wurstsalat nach Schweizer Art mit Käse. Mmmmm.
Auch dieser Nachmittag zeigte mir, dass ein Teil der Tagesstunden auch für mich reserviert sind und nicht für die Arbeiten im dienstlichen Bereich wie Ibiza, Berlin oder hier im Hause wo jetzt die Umzugsarien stattfinden werden. Und immer wieder Abgrenzungsschwierigkeiten. Bei diesen Arbeiten werde ich jetzt vor allem meine
Tochter einbinden, die da die besseren Nerven mitbringt und weitaus cooler reagiert als ich.
Und jetzt, das Wochenende kündigt sich an, wollte ich noch einmal nach Real um den so leckeren Wein nachzukaufen mit einem total guten Preis. Mohamed war mit mir hier in Oberkassel verabredet nach seinem Dienst um mir Kaminholz zu schleppen und auf der Terrasse zu helfen das Frühjahr vorzubereiten.
Nein, dachte ich, der kann mich sofort weiter nach Real fahren um mit mir den Wein nachzukaufen. Telefoniert und ich wartete mit einem Waschkorb, es sollten ja mehrere Flaschen werden, vor der Haustüre. Der Freund kam, ich mit Korb in den Wagen und los ging es.
Angekommen steuerte ich zielstrebig auf den Stand zu an dem zwei Tage zuvor noch Kisten von diesem Wein gestanden hatten. Pustekuchen, noch vier restliche Flaschen standen da, und die waren schnell im Einkaufswagen.
Ich weiß nicht ob ich das jetzt schreiben soll, aber ich werde es machen damit meine Freunde auch mal sehen wie es mit all den Vorbehalten, die ich auch habe, den Migranten zum Teil hier in Deutschland geht.
Mohamed lebt jetzt mit seiner Familie, das sind seine Frau und seine drei Kinder, seit fünf Jahren in Deutschland. Wir haben uns durch die Gartenarbeit in Meerbusch kennen gelernt wo er mir – er war noch alleine hier – geholfen hat. Er war als Hilfskraft eines anderen Migranten bei meinem verstorbenen Freund Michael im Garten beschäftigt, und ich habe ihn dann gefragt ob er auch bei mir arbeiten würde. Er sprach so gut wie kein Deutsch und lebte mit 10 anderen Migranten in einem Haus der Wohlfahrt in Lank.
Aus diesem Treffen hat sich dann eine Freundschaft entwickelt die oft an ihre Grenzen kommt beim Verständnis einander zu akzeptieren. Er ist total fleißig, hilfsbereit aber oft auch überfordert was das Verstehen des täglichen Ablaufs in Deutschland betrifft. Inzwischen ist seine Frau dann mit den beiden Jungen nachgekommen. Und nicht notwendig aber geschehen kam dann der dritte Junge hier in Deutschland auf die Welt. In dieser Zeit hat sich mein Freund Michael sehr um die Familie und auch um die Schulbildung von Mohamed gekümmert. Ich könnte da einen eigenen Bericht schreiben was aber heute nicht ansteht.
Warum schreibe ich über die Situation dort im Moment Mohamed arbeitet voll auf der Baustelle als Betonbauer, was er bei seinem Vater in Syrien gelernt hat. Sein Chef hier ist sehr zufrieden mit ihm.
Jetzt kommt das Aber. Seine Familie forderte in Syrien monatlich Geld von ihm. Sein jüngster Bruder sitzt in Griechenland seit mehr als einem Jahr auf einer Insel fest. Auch dorthin sollte Geld geschickt werden. Und der Mufti jetzt verlangt Geld, ich habe in Erinnerung 30,– Euro pro Tag wenn er nicht den Ramadan einhält. Und für die Schule muss auch Geld da sein. Sein Ältester geht jetzt in die erste Klasse und er hat die Versetzung in die zweite Klasse wohl gut geschafft. Der zweite Sohn kommt jetzt in die erste Klasse und wird es als Legasteniker nicht so einfach haben diese Klasse zu schaffen. Mal sehen. Was mich jetzt so wütend macht sind die Forderungen des Familienclans – immer wieder Geld zu geben. Die, die eigentlich an dem Ganzen Schuld haben stellen heute die Forderungen. Mohameds Freunde, die hier leben und arbeiten und keine Familie haben, lösen sich von diesen Forderungen der Alten. Sie sind wesentlich selbstbewusster als die Männer die verheiratet nach hier gekommen sind und dem Diktat der muslimischen Gemeinschaft ohne Widerspruch zu folgen haben.
Und warum schreibe ich das so emotional. ? Als wir bei Real waren druckste M. etwas herum als wir in der Abteilung Technik waren. Was war los? Auf eine kurze Passage gebracht, zu Hause war die Waschmaschine, irgendwann von irgendwem gebraucht geschenkt, kaputt. Und wie war er darauf gekommen? Er bekam am Morgen nicht ein helles Arbeitshemd und er fragte seine Frau – Warum kein frisches Hemd.? Da gestand sie ihm dass seit 10 Tagen die Waschmaschine kaputt sei. Sie habe selbst versucht zu reparieren. Aber wie zu erwarten ohne Erfolg. Zehn Tage die dreckige Wäsche von drei Jungen und den Eltern – sie hatte nicht gewagt das ihrem Mann zu sagen.
Und woher sollen Reserven kommen. Ich habe den Steuerbescheid des Arbeitgebers bekommen und ihn durchgesehen. Da bleibt nix bei fünf Personen übrig, auch wenn ich meinen Teil dazu tue.
Also , Manfred hat überlegt. Ich wurde nicht gefragt sondern fühlte mich erst einmal nur informiert. Wir sind dann zurück in die Haushaltsabteilung Technik, ich habe mir dann die Waschmaschinen angesehen und spontan entschieden – hier werde ich handeln. Mohamed hat nächste Woche Geburtstag – und ich brauchte mir dann keinen Kopf zu machen.
Ich nahm ihn zur Seite und sagte, wir kaufen jetzt so ein Teil. Es muss ja keine Miele sein. Seine Reaktion war sehr ruhig und gefasst. Er wollte mir erst nicht glauben. Aber ja – wie nur den Transport bewerkstelligen?
Nach vielen Gedanken kam ihm die “Erleuchtung”. sein Freund, der als Gärtner arbeitet , dem steht in ein Bus zur Verfügung. Und angerufen und 15 Minuten rollte der Bus auf den Parkplatz. Wir zurück zur Abteilung, ist die Maschine auf Lager? Ja, sie war auf Lager. Kurzum, Mohamed brachte mich ganz schnell nach Hause mit meinen vier Flaschen Wein, sein Freund brachte die Waschmaschine schon nach Meerbusch und M. telefonierte noch im Wagen mit seiner Frau. Ganz ruhig und lieb in gutem Deutsch, was sie nicht so beherrscht, bedankte sie sich während meiner Heimfahrt für das Geschenk.
Abends spät lief das gute Stück schon und Mohamed zeigte mir den Berg Wäsche von 10 Tagen der nun abzuarbeiten war. Und was hatte ich ? Ein so gutes Gefühl bei einer Sache helfen zu können die für diese Menschen einfach lebenswichtig ist.
Und jetzt verrate ich Euch – es wird heute so viel im Blog, ich habe mir gerade ein Glas Wein von dem leckeren Vin eingeschüttet.
Denn noch ein paar Dinge mit weniger Dramatik. Zwischen den Tagen habe ich das ein oder andere Ding auf
eBay gekauft oder verhökert. Gekauft habe ich einen Stapel DVDs für Kinder. Und immer wenn Mo hier bei mir war nimmt er eine Scheibe mit. Gerade der Älteste ist ganz aufgeregt wenn der Vater hier bei mir war und es wieder eine neue DVD gibt.
Ich habe mir von einer jungen Frau DVDs gekauft die alte Folgen von Traumschiff bringen. Und dabei ist die Folge von Kambodscha die ich zuletzt als Wiederholung an einem Sonntag gesehen habe. Was ich mich darauf freue denn es sind dann immer wieder recht aktuelle Erinnerungen auf dem Bildschirm.
Einer Frau aus Gorleben habe ich Kerzenwandleuchter verkauft. Es war so ein netter Mailverkehr dass ich mich freue die Leuchte an sie verkauft zu haben.
Und jetzt zum Abschluss mal einen Schluck auf Prinz Philip. Eigentlich durch Zufall habe ich gestern das ZDF angestellt und kam in die aktuelle Berichtserstattung zur Beerdigung nach Windsor.
Was für Erinnerungen kamen da auf. Was für Farben und was für Zeiten wurden lebendig. Ich kann mich noch an die Krönung von Elisabeth erinnern, da gab es noch kein Fernsehen sondern immer nur Zeitung und Radio.
Was für eine tolle Frau – verheiratet mit einem Muster an Disziplin und Anstand. Die Sendung hat mich so berührt dass mir ab und zu Wasser aus den Augen kam. Meine Vergangenheit kam zurück. Und immer war England eine Macht ,die mit großen Erfolgen und dann mit Abgängen die Welt beherrschte. Aber dieses Gestern auf Windsor war wirklich lohnenswert sich anzusehen. –
Und jetzt langsam zum Ende der Woche. Gestern Abend war ich bei meiner Freundin Elke in Düsseldorf zum Abendessen eingeladen. Wir kennen uns inzwischen auch schon ein Vierteljahrhundert, waren bis vor 20 Jahren Miteigentümer in einem wunderschönen Haus in Rheinnähe am Hofgarten. Ich habe dann meine beiden Wohnungen dort verkauft um hier in Oberkassel auszubauen und um meine Wohnungen in Berlin zu kaufen.
Aber die Freundschaft ist geblieben und was haben wir gestern lecker gegessen und erzählt. Sie hat eine Wohnung in Italien wo ihr kleiner Fiat auf sie wartet wie meine Touareg hier in der Garage. Aber wir hatten beide die Beerdigung von Prinz Philip gesehen und konnten darüber sprechen.
Nach vier Stunden habe ich mich dann auf den Heimweg gemacht. Eigentlich war ich nicht müde und habe es gewagt von der Altstadt Düsseldorf bei Wind und Wetter über die Rheinbrücke zu marschieren. Der Wind pfifft ganz schön, das Panorama lohnte sich aber die Autos machten mit viel Speed einen Höllenlärm. die meisten wenigstens. Durch die Straßen von Oberkassel gewandert war ich dann doch froh mit meinen Füssen meine Herberge betreten zu können. Und was passierte dann?
Gut angekommen und mit Historie versehen habe ich dann noch um 23 Uhr im Fernsehen History angemacht und mir die Wiederholung von Auguste Victoria – Deutschlands letzte Kaiserin – angesehen.
Und dann bin ich müde ins Bett um heute Morgen als einer der ersten Kunde beim Bäcker zu sein, frische Baguette und Croissant wurden fürs Frühstück eingekauft. Ich liebe Oberkassel und seine Möglichkeiten hier zu leben.
Eine gute Woche für Euch alle.
Manfred




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